Honig vs. pasteurisierter Honig - naturbelassen oder industriell verarbeitet?

Honig vs. pasteurisierter Honig - Naturbelassen oder industriell verarbeitet?

Honig vs. pasteurisierter Honig: Wo der Unterschied wirklich liegt

Honig vs. pasteurisierter Honig im Vergleich – warum „kaltgeschleudert" nichts aussagt, was Pasteurisierung wirklich bedeutet und woran man den Unterschied im Glas erkennt.

Eine Frage, die im Supermarktregal beginnt

Zwei Gläser, zwei sehr unterschiedliche Produkte – und trotzdem sieht man es dem Etikett oft nicht an. Auf der einen Seite steht naturbelassener Honig direkt vom Imker, auf der anderen Seite industriell verarbeiteter, pasteurisierter Honig aus dem Großhandel. Beide tragen dieselbe Bezeichnung „Honig", beide stehen im selben Regal und beide kosten den Verbraucher am Ende eine bewusste oder unbewusste Entscheidung.

Wer verstehen will, was den Unterschied wirklich ausmacht, stößt schnell auf einen Begriff, der auf Etiketten, in Onlineshops und in der Werbung immer wieder auftaucht: „Kaltgeschleudert". Aus Sicht eines Imkers, der seinen Honig selbst schleudert, lohnt sich hier ein genauerer Blick – denn dieser Begriff erklärt eigentlich gar nicht, worum es bei der Frage „Honig oder pasteurisierter Honig" wirklich geht. In unserer eigenen Imkerei begegnet uns diese Verwirrung regelmäßig: Kundinnen und Kunden fragen gezielt nach „kaltgeschleudertem" Honig, meinen damit aber eigentlich etwas anderes – nämlich Honig, der nach dem Schleudern nicht noch einmal erhitzt wurde.

Der Mythos „kaltgeschleudert" – und warum er nichts über pasteurisierten Honig aussagt

Warum Honig physikalisch nie „warm" geschleudert werden kann

Bienenwachs beginnt bereits bei etwa 40 Grad weich zu werden und schmilzt bei 50 bis 63 Grad. Würde man Honig vor dem Schleudern erwärmen, würden die Wabenzellen verkleben oder das Wachs würde sich mit dem Honig vermischen – das Ergebnis wäre unbrauchbar und ließe sich gar nicht mehr sauber aus der Wabe lösen. Deshalb wird jeder Honig, ganz gleich von welchem Hobbyimker oder Großimkerei, bei Raumtemperatur geschleudert, üblicherweise zwischen 25 und 30 Grad – nahe an der natürlichen Temperatur im Bienenstock. Eine andere Möglichkeit gibt es schlicht nicht, denn die Physik lässt keinen Spielraum.

Seit 2011 ist „kaltgeschleudert" als Werbeaussage untersagt

Weil das Schleudern bei moderater Temperatur ein rein physikalischer Zwang und keine besondere Leistung ist, gilt die Bezeichnung „kaltgeschleudert" in Deutschland seit 2011 offiziell als irreführende Werbung mit einer Selbstverständlichkeit – vergleichbar mit „kaltgepresst" bei einem Öl, das technisch gar nicht anders gepresst werden könnte. Der Begriff sollte ursprünglich hochwertigen, handwerklich erzeugten Honig von billigen, nachträglich erhitzten Produkten abgrenzen. Das gelingt ihm jedoch nicht.

Der eigentliche Unterschied entsteht erst nach dem Schleudern

Die tatsächlich entscheidende Weiche wird nicht beim Schleudern gestellt, sondern danach: Wird der bereits gewonnene Honig ein zweites Mal erhitzt – also pasteurisiert – oder bleibt er naturbelassen und wird lediglich gesiebt und abgefüllt? Genau hier, und nicht beim Schleudervorgang, trennen sich naturbelassener und pasteurisierter Honig voneinander. Diese Unterscheidung ist der eigentliche Kern des Vergleichs „Honig vs. pasteurisierter Honig". 

Eine Ausnahme – Cremig-Rührung des Honigs

Eine Ausnahme bildet die sogenannte Cremig-Rührung: Um Honig eine feincremige, streichfähige Konsistenz zu geben, wird er dabei vorsichtig auf maximal 40 Grad erwärmt. Diese schonende Erwärmung hat kaum Auswirkungen auf die Inhaltsstoffe und die Qualität des Honigs, da im Bienenvolk selbst ganz ähnliche Temperaturen herrschen. Cremig gerührter Honig aus regionaler, naturbelassener Erzeugung unterscheidet sich damit deutlich von industriell pasteurisiertem Honig, bei dem meist höhere Temperaturen zum Einsatz kommen.

Was ist pasteurisierter Honig – und wie funktioniert das Verfahren?

Pasteurisierung beim Honig – Was bedeutet das genau?

Bei Honig bedeutet Pasteurisierung konkret: Der bereits fertig geschleuderte Honig wird ein weiteres Mal kurzzeitig auf höhere Temperaturen gebracht, häufig deutlich über 40 Grad, teils auch im Bereich von 70 bis 80 Grad, je nach Verfahren und Zielsetzung.

Temperaturen und Zweck der Erhitzung

Ziel der Pasteurisierung ist es, die natürliche Kristallisation zu verzögern oder ganz zu verhindern und dem Honig über lange Zeit eine gleichmäßig flüssige Konsistenz zu geben. Für die Lebensmittelindustrie ist das aus mehreren praktischen Gründen attraktiv: Ein Honig, der nicht kristallisiert, lässt sich leichter abfüllen, in großen Mengen transportieren und über Monate hinweg lagern, ohne dass er sich im Regal sichtbar verändert. Zudem entspricht ein dauerhaft flüssiges Produkt der Erwartung vieler Kundinnen und Kunden, die kristallisierten Honig – fälschlicherweise – für minderwertig halten.

Woran erkennt man den Unterschied im Glas?

Kristallisationsverhalten

Naturbelassener Honig kristallisiert im Lauf der Zeit, weil der enthaltene Traubenzucker sich schlechter löst als Fruchtzucker und sich allmählich absetzt. Wie schnell das geschieht, hängt stark von der Honigsorte ab – Raps- oder Blütenhonig etwa kristallisieren oft schon nach wenigen Wochen, während manche Sortenhonige (z.B. Akazien- oder Tannenhonig) deutlich länger flüssig bleiben. Pasteurisierter Honig dagegen bleibt über Monate hinweg auffällig gleichmäßig flüssig oder cremig – ein deutlicher Hinweis darauf, dass er nach dem Schleudern noch einmal erhitzt wurde.

Konsistenz und Aussehen

Naturbelassener Honig verändert im Glas sichtbar seine Konsistenz: Von klarflüssig über geleeartig bis feincremig, je nach Sorte, Jahreszeit und Lagerbedingungen. Diese Veränderung ist normal und passiert bei ein und demselben Honig im Lauf der Zeit ganz von selbst. Pasteurisierter Honig wirkt dagegen oft künstlich gleichförmig – Glas für Glas, Monat für Monat nahezu identisch, unabhängig davon, wie lange er schon im Regal steht.

Geschmack und Aroma

Höhere Temperaturen verändern Honig spürbar: Nach übermäßiger Erhitzung können sich Farbe, Geschmack und Aroma deutlich wandeln, feine Blütennoten gehen verloren, der Geschmack wirkt flacher und weniger komplex. Naturbelassener, schonend behandelter Honig bewahrt dagegen die charakteristischen Aromen seiner jeweiligen Tracht – etwa die kräftige Note von Waldhonig oder die blumige Frische von Frühjahrsblütenhonig.

Ist Kristallisation von Honig ein Mangel? Ein weit verbreitetes Missverständnis

Viele Kundinnen und Kunden empfinden festen, kristallisierten Honig fälschlicherweise als verdorben oder minderwertig und greifen deshalb lieber zu dauerhaft flüssiger Ware. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall: Kristallisation ist ein normaler, natürlicher Vorgang und häufig ein Zeichen dafür, dass der Honig nicht stark nachbehandelt wurde. Ein Honig, der über sehr lange Zeit vollkommen unverändert flüssig bleibt, hat diesen Zustand in aller Regel nicht von selbst erreicht, sondern durch eine gezielte Wärmebehandlung. Wer kristallisierten Honig wieder streichfähiger machen möchte, kann das Glas übrigens einfach in ein warmes Wasserbad stellen – eine schonende, selbst durchgeführte Erwärmung im heimischen Haushalt, die mit industrieller Pasteurisierung nicht vergleichbar ist.

Warum reagieren viele Verbraucher so empfindlich auf Kristallisation?

Ein Teil der Antwort liegt in jahrzehntelanger Werbung: Honig wird in Anzeigen, Verpackungsfotos und Rezeptvideos fast immer als goldener, gleichmäßig fließender Strahl gezeigt, der sich elegant über einen Löffel oder ein Frühstücksbrötchen ergießt. Dieses Bild hat sich so tief eingeprägt, dass viele Menschen einen festen, kristallisierten Honig unbewusst mit „alt" oder „schlecht geworden" gleichsetzen, obwohl das Gegenteil richtig ist. Die Erwartung an ein dauerhaft flüssiges Produkt ist also weniger ein Qualitätsmerkmal als ein über lange Zeit antrainiertes Bild – eines, von dem vor allem jene Hersteller profitieren, die ihren Honig ohnehin pasteurisieren.

Regionale Herkunft und globale Mischungen

Ein weiterer Unterschied liegt oft in der Lieferkette. Naturbelassener Honig von einem regionalen Imker stammt meist aus einer einzigen Ernte, einer bestimmten Gegend und einem überschaubaren Zeitraum – bei uns etwa aus den Trachten der jeweiligen Saison, die sich von Jahr zu Jahr leicht unterscheiden können. Industriell verarbeiteter, pasteurisierter Honig wird dagegen häufig aus Honig mehrerer Ernten und Herkunftsländer zusammengeführt, um über das ganze Jahr hinweg eine gleichbleibende Menge und einen gleichbleibenden Geschmack anbieten zu können. Diese Bündelung großer Mengen aus unterschiedlichen Quellen ist einer der Hauptgründe, warum in der Industrie überhaupt pasteurisiert wird: Nur ein hitzebehandelter, in der Konsistenz vereinheitlichter Honig lässt sich in dieser Größenordnung wirtschaftlich abfüllen, über weite Strecken transportieren und über Monate hinweg gleichbleibend verkaufen. Für kleinere, regionale Imkereien stellt sich diese Notwendigkeit in der Regel gar nicht erst, da die Erntemengen überschaubar bleiben und der Honig meist direkt an Kundinnen und Kunden in der Umgebung geht.

Wie erkennt man pasteurisierten Honig am Etikett?

Neben Konsistenz und Kristallisation gibt auch das Etikett selbst wichtige Hinweise. Die Angabe „Mischung von Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern" ist ein typisches Zeichen für großindustriell verarbeiteten Honig: Er wird aus mehreren Herkünften und Ernten zusammengeführt und dabei in aller Regel auch pasteurisiert, um über die gesamte Vertriebsdauer eine gleichbleibende Konsistenz zu gewährleisten. Trägt ein Honig dagegen eine konkrete Herkunftsangabe wie „Deutschland" und stammt er direkt und regional von einem Imker, kann man deutlich eher davon ausgehen, dass es sich um naturbelassenen Honig handelt, der nach dem Schleudern nicht noch einmal erhitzt wurde.

Seit dem 14. Juni 2026 gilt eine neue EU-Regelung zur Honigkennzeichnung: Die bisherige pauschale Angabe „Mischung von Honig aus EU- und Nicht-EU-Ländern" reicht nicht mehr aus. Bei Mischhonigen müssen künftig alle Herkunftsländer einzeln mit ihrem jeweiligen prozentualen Anteil angegeben werden, absteigend sortiert nach Anteil (z. B. „Spanien 70 %, Rumänien 20 %, China 10 %") – nur bei Honig aus einem einzigen Herkunftsland bleibt die bisherige Kennzeichnung bestehen.

Praktische Hinweise für den Kauf

Wer wissen möchte, ob ein Honig naturbelassen oder pasteurisiert ist, kann auf einige einfache Signale achten. Bleibt der Honig über viele Monate hinweg exakt gleich flüssig, spricht das eher für eine Wärmebehandlung. Verändert sich die Konsistenz dagegen im Lauf der Zeit sichtbar, deutet das auf naturbelassene Ware hin. Auch der direkte Bezug bei einem regionalen Imker sowie ein Preis, der eine handwerkliche, kleinteilige Erzeugung widerspiegelt, sind verlässlichere Hinweise als Werbebegriffe wie „kaltgeschleudert" auf dem Etikett. Im Zweifel hilft eine einfache Frage direkt beim Erzeuger: Wurde der Honig nach dem Schleudern noch einmal erhitzt oder bearbeitet?

NATURBELASSENEN HONIG VOM IMKER FINDEST DU HIER: 

Fazit: Zwei Verarbeitungsphilosophien, ein ehrlicher Blick

Der Vergleich „Honig vs. pasteurisierter Honig" hat mit dem Begriff „kaltgeschleudert" eigentlich wenig zu tun – dieser beschreibt lediglich einen physikalisch zwingenden ersten Schritt, den jeder Honig durchläuft, ganz gleich, woher er stammt. Der wirkliche Unterschied entscheidet sich erst danach: Darin, ob ein Honig nach dem Schleudern ein zweites Mal erhitzt wird, um ihn industriell handhabbar und über lange Zeit gleichförmig zu machen oder ob er naturbelassen bleibt und seine ursprüngliche Konsistenz, Farbe und sein Aroma im Lauf der Zeit auf ganz natürliche Weise verändert.

Für uns als Imkerei bedeutet das vor allem eines: Transparenz ist wichtiger als Werbebegriffe. Wer weiß, worauf es tatsächlich ankommt, kann Marketingversprechen auf dem Etikett von echten Unterscheidungsmerkmalen trennen – und bewusster entscheiden, welchen Honig er künftig im Glas haben möchte.

Am Ende geht es weniger um die Frage, welcher Honig „besser" klingt, sondern darum, ehrlich zu benennen, was mit einem Produkt zwischen Wabe und Glas tatsächlich passiert ist. Ein Begriff wie „kaltgeschleudert" beantwortet diese Frage nicht, ein offenes Gespräch mit dem Erzeuger oder ein aufmerksamer Blick auf die Konsistenz über mehrere Monate hinweg dagegen schon.

Quellenverzeichnis:

Zugriff auf alle Online-Quellen: September 2026.

1. Deutscher Imkerbund e. V.: Honig – https://deutscherimkerbund.de/honig/

2. honig-und-bienen.de: Honig „kaltgeschleudert" – was soll das sein? – https://honig-und-bienen.de/honig-kaltgeschleudert-was-soll-das-sein/

3. Die Honigmacher: Kalt geschleudert – https://www.die-honigmacher.de/kurs3/seite_44000.html

4. fuerimker.de: Methoden zur Vermeidung der Kristallisation von Honig in der Lebensmittelindustrie – https://www.fuerimker.de/methoden-zur-vermeidung-der-kristallisation-von-honig-in-der-lebensmittelindustrie

5. barin.de: Warum kristallisiert Honig? – https://barin.de/blog/warum-kristallisiert-honig

6. Imkerhonig.org: Die Temperaturfalle: Wann verliert Honig an Qualität – https://imkerhonig.org/arten-von-honig/honig-temperaturfalle/

7. Deutscherimkerbund.de: Mehr Klarheit auf dem Honigetikett - https://deutscherimkerbund.de/mehr-klarheit-auf-dem-honigetikett/

8. UGB-Gesundheitsberatung: Woran erkennt man nicht wärmegeschädigten Honig? – HMF-Gehalt – https://www.ugb.de/lebensmittel-im-test/woran-erkennt-man-nicht-waermegeschaedigten-honig/

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1 Kommentar

Vielen Dank für die Information. War sehr interessant und lehrreich.

Ljudmilla Kohlert

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